Stimmen aus Israel – Iran-Krieg

Die DIG Stuttgart bedankt sich bei Zsuzsi Schindler und Andrea Livnat für die Einblicke in den israelischen Alltag unter Raketenbeschuss aus dem Iran. Im sechsten Panel „Stimmen aus Israel“, zum dem auch unser Vorsitzender Oliver Vrankovic gehörte und der von Susanne Wetterich (DIG Stuttgart) moderiert wurde, könnte den 90 Teilnehmer*innen ein authentischer Eindruck in die verschiedenen Aspekte des Kriegsalltag vermittelt werden, angefangen vom Umgang mit der ständigen Lebensgefahr durch den Raketenbeschuss bis zu den kriegsbedingten Einschränkungen.

Die Sorge um Andere (Familie, alte Menschen, Menschen ohne Luftschutzbunker) einerseits und die Resilenz und ihre Gründe kämen zur Sprache.

Zsuzsi ordnete den Krieg in die lange Liste der Kriege Israels ein und beschrieb die iranische Gefahr seit Machtergreifung der Mullahs und die kriegerischen Auseinandersetzungen mit seinen Proxys.

Oliver beschrieb die Ideologie des iranischen Regimes und die existentielle Gefahr für Israel und erklärte die Notwendigkeit des militärischen Vorgehens und den israelischen Konsens hinsichtlich der Notwendigkeit die Gefahr zu beseitigen.

Andrea beschrieb wie das Eingreifen der Amerikaner und der plötzliche Waffenstillstand aufgenommen wurde und erinnerte an den Krieg in Gaza und die 50 noch in Gaza festgehaltenen Geiseln, die es jetzt an die Spitze der Tagesordnung zu setzen gilt.

Am Ende der VA stand der Aufruf zu einer 180 Grad Wende in der deutschen und europäischen Iran Politik.

Politische Umbrüche im Nahen Osten | 25.11.| Merlin | 19 Uhr

In einigen Ländern des Nahen Ostens kam es in jüngster Vergangenheit zu innenpolitischen Machtverschiebungen oder auch Regimewechseln. Wo liegt die Ursache für diese Entwicklungen? Und wohin könnten sie führen? Was bedeuten diese Entwicklungen für die Menschen in diesen Ländern und was bedeutet all das für Israel? Diesen Fragen (und noch viel mehr) geht Thomas von der Osten-Sacken an diesem Abend nach.


Thomas von der Osten-Sacken ist Geschäftsführer der von ihm mitbegründeten deutsch-irakischen Hilfsorganisation Wadi e. V. Wadi unterstützt seit bald 35 Jahren verschiedene Projekte zur Stärkung von Frauenrechten, Demokratisierung und gegen Gewalt. Außerdem arbeitet Wadi seit Jahrzehnten mt Flüchtlingen und Binnevertriebenen in er Region. Von der Osten-Sacken verbringt seit den frühen 90er Jahren einen Großteil seiner Zeit im Nahen Osten und berichtet als Journalist und Buchautor über die Lage vor Ort.

Für Israel – Gegen Antisemitismus | 5.10.25

Am 5.10. fand auf dem Marktplatz in Stuttgart die größte israelsolidarische Kundgebung gegen Antisemitismus zum zweiten Jahrestag des 7.10 statt.

—- für die DIG Stuttgart war es selbstverständlich eine explizit israelsolidarische Kundgebung zu machen —-

Wir danken mehr als 2000 Teilnehmer*innen sich öffentlich für Israel positioniert zu haben und ein Zeichen gegen JEDEN Antisemitismus gesetzt zu haben

Wir bedanken und bei der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalems (ICEJ) Deutschland und ihrem Vorsitzenden Gottfried Bühler für die gelungene Kooperation.

Wir danken allen Mitgliedern der DIG Stuttgart und anderer Organisationen, die mitgewirkt haben als Ordner*innen, beim „Bühnenbild“ und andere Aufgaben übernommen haben.

Wir danken den RednerInnen für ihre Worte, die wir zeitnah auf unserer Seite dokumentieren werden.

Dank an Bärbel Illi (Deutsch-Israelische Gesellschaft Region Stuttgart), Gottfried Bühler (International Christian Embassy Jerusalem – deutscher Zweig), Michael Kashi (Israelitische Religionsgemeinschaft Württemberg), Bernd Sommer (Präsidium Deutsch-Israelische Gesellschaft), Josias Terschüren (Christen an der Seite Israels), Dr. Kazem Moussavi (Green Party of Iran), Jule Valentina Schäfer (Jüdische Studierendenunion Württemberg), Nikita Nikischin (DIG Freiburg und Beauftragter der IGF für Sicherheit, Recht und Kommunikation) und Dr. Michael Blume (Beauftragter des Landtags gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben)

Ein herzlicher Dank an Johannes Merker (Denkendorfer Kreis für christlich-jüdische Begegnung) für die Moderation.

Im Rahmen der Kundgebung wurden Statements der Mütter der Geiseln mit deutscher Staatsbürgerschaft verlesen, die uns direkt übermittelt wurden.

Es gab eine zweiminütige Schweigezeit zum Gedenken an die Opfer des 7.10.

Wir danken dem Kantor Nathan Goldman für das Gebet und Sabina Morein für die HaTikva. Die HaTikva auf dem Marktplatz im Video.

Dank der Teilnehmer*innen konnten wir den den Marktplatz in ein 🇮🇱 Fahnenmeer verwadeln, wie es Deutschland noch nie gesehen hat.

Danke an Avi Palvari für die Tanzeinlage.

Wir danken allen Organisationen, die den Aufruf unterstützt und sich an der Organisation beteiligt haben: IRGW, DIG – Deutsch-Israelische Gesellschaft, DIG Karlsruhe Mittelbaden, DIG Mannheim Mittlerer Neckar, DIG Ulm/Neu-Ulm, DIG Heilbronn, DIG Freiburg, DIG Bodensee-Region, Junges Forum der DIG Stuttgart, JSUW, WIZO, Emanzipation und Frieden, KKL, Keren HaYesod, Denkendorfer Kreis, CSI, GCJZ, ARC to Israel, City Chapel Stuttgart, Verein Drusen in Deutschland.

Wir danken unserem Mitglied Hajo für die Bilder (copyright Hajo) und allen Israelfreunden, die sie teilen.

Mehr Bilder (von Martin Tschepe)

Am Sonntag, den 5. Oktober haben die DIG Stuttgart und ICEJ zu einer Großkundgebung auf dem Marktplatz aufgerufen.   Der Aufruf wurde unterstützt von IRGW, Deutsch-Israelische Gesellschaft e.V., DIG Karlsruhe Mittelbaden, DIG Mannheim Mittlerer Neckar, DIG Ulm/Neu-Ulm, DIG Heilbronn, DIG Freiburg, DIG Bodensee-Region, Junges Forum der DIG Stuttgart, Jüdische Studierendenunion Württemberg, WIZO, Förderverein Emanzipation und Frieden, KKL-JNF, Keren HaYesod, Denkendorfer Kreis für christlich jüdische Begegnung e.V., Christen an der Seite Israels, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Verein Drusen in Deutschland e.V., ARC to Israel, City Chapel Stuttgart.





Mehr Bilder von DIG Mitgliedern:




Die Reden (TBA)

Rede von Bärbel Illi (DIG Stuttgart):

Wir erinnern heute an das schlimmste Massaker seit der Shoah, bei dem die Hamas vor 2 Jahren über 1200 Israelis ermordete, vergewaltigte, Kinder vor den Augen ihrer Eltern verbrannte und 250 Geiseln nach Gaza entführte. Unter den Entführten waren auch 30 Personen mit deutschem Pass. Das interessierte die Bundesregierung und die Medien nicht wirklich, obwohl wir wissen, dass die Geiseln unvorstellbare Entbehrungen, Hunger, Ängste und Folter erleiden. Momentan hat die Hamas noch 48 lebende und getötete Geiseln in ihrer Gewalt. Darunter auch sieben junge Männer mit deutschem Pass. Ihre Vorfahren waren von den Deutschen vertrieben und ermordet worden. Von hier aus fordern wir die Bundesregierung auf: Tut endlich etwas für die Freilassung der Geiseln!

Der 20-Punkte-Plan Trumps macht zum ersten Mal Hoffnung, dass alle Geiseln freikommen, die Hamas entwaffnet und der Krieg beendet wird. Denn nicht nur die USA und Israel, sondern auch arabische Staaten und selbst Katar und Türkei haben sich verpflichtet, die Entmachtung der Hamas und den Aufbau eines Gazas ohne Terror und Raketen durchzusetzen. Die Hamas erklärt sich nun bereit, die Geiseln frei zu lassen, weigert sich jedoch die Waffen vollständig niederzulegen. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft ruft deshalb auf, allen Druck jetzt darauf zu konzentrieren, dass die Geiseln sicher nach Hause kommen UND die Hamas vollständig entwaffnet wird. Ohne ihre Entwaffnung werden morgen wieder Raketen auf Israel geschossen und Israelis entführt. Das darf nicht sein!

Um diesen Druck auszuüben, hat die Bundesregierung starke Hebel in der Hand. Sie hat beste Beziehungen zu den Hamas-Schutzpatronen und kann Türkei, Iran und Katar mächtig auf die Pelle rücken. Die DIG Stuttgart fordert in Absprache mit Angehörigen der Geiseln drei Maßnahmen, um den Geldfluss aus Deutschland an den palästinensischen Terror zu unterbinden: Die iranischen Banken und Institute müssen geschlossen werden, Bedingungen an die Gemeinnützigkeit geknüpft werden und eine Beweislastumkehr für Vermögen unklarer Herkunft eingeführt werden. Lasst uns der Bundesregierung kräftig auf die Füße treten, bis sie endlich alle Hebel dafür in Bewegung setzt!

Wieder eine Synagoge, wieder an Yom Kipur. Wir trauern um die Opfer des antisemitischen Anschlags in Manchester. Ein mörderischer Antisemitismus eskaliert heute in Europa hemmungslos, und in einem Ausmaß, wie wir ihn seit der Nazi-Zeit nicht mehr gesehen haben. Damit es kein Missverständnis gibt: Es ist nicht die Schuld Israels, dass Hamas-Kumpane Uni-Räume zerhauen, die Zerstörung Israels fordern, Menschen töten, bei Fußballspielen Hetzjagden auf Israelis organisieren. Judenhass ist eine gesellschaftliche Krankheit, die sich über die letzten 2.000 Jahre in Europa entwickelt hat und auf der kollektiven Wahnvorstellung basiert, die Juden und Israel seien an allem Übel der Welt schuld.

Deutschland sanktioniert Israel jetzt. Das ist eine grundlegende Kursänderung. Denn leider unterstützen auch alle demokratischen Parteien im Bundestag den Waffenstopp der Regierung. Sanktionen schaden Israel, aber noch viel mehr uns selbst. Wir brauchen die Zusammenarbeit mit Israel, nicht zuletzt die israelische Arrow3 Raketenabwehr und Heron-Überwachungsdrohnen gegen mögliche Angriffe Putins. Wir benötigen die Hinweise des Mossad, um dschihadistische Anschläge zu verhindern. Sanktionen geben dem Hass auf Israel zusätzlichen Zunder. Das könnte die Demokratie gefährden, wie 1933 als die Elite umfiel und dem Antisemitismus freien Lauf ließ. Herr Merz und Frau von der Leyhen, hören Sie auf Israel zu sanktionieren! Sofort!

Liebe Israel-FreundInnen, wir trauern um die Opfer des Massakers, um die gefallenen israelischen Soldatinnen und Soldaten und um die zivilen, unbeteiligten Toten auf allen Seiten. Und wir sehen heute ein Licht am Ende des Tunnels. Zwei Jahre nach dem grausamen Massaker ist klar, der jüdische Staat überlebt. Israel hat sich an sieben Fronten erfolgreich verteidigt und das Atomraketenprogramm des Iran schwer getroffen. Wir bedanken uns bei der israelischen Armee. Am Israel chai.


Rede von Kazem Moussavi, Sprecher der Green Party of Iran:

Liebe Freundinnen und Freunde,

ich danke der DIG-Stuttgart und dem lieben Oliver Vrankovic für die
Einladung.

Wir stehen an der Schwelle zum zweiten Jahrestag des von Teheran
orchestrierten und finanzierten Hamas-Pogroms gegen Israel — dem
gravierendsten antisemitischen Verbrechen seit der Shoa. Über
tausend unschuldige Menschen wurden ermordet, Frauen und
Mädchen brutal vergewaltigt, Kinder und Alte verschleppt, ganze
Gemeinden ausgelöscht.

Dieser Tag hätte auch in Deutschland die Augen öffnen müssen:
Islamismus und Antisemitismus verbunden mit Terrorismus, Dschihad
und der Atombombe bilden die tödlichste Allianz unserer Zeit.
Deshalb sagen wir entschlossen: Nie wieder 7. Oktober!
Seit dem 7. Oktober leben die Menschen in Israel in Angst. Das muss
beendet werden. Und auch kein Mensch in Gaza sollte und müsste in
Angst leben. Der Gaza-Konflikt ist nicht ‚Made in Israel‘ – er ist
‚Made in Teheran‘. Die Hamas missbraucht Frauen und Kinder als
Schutzschilde und instrumentalisiert deren Leid, um ihren Terror zu
legitimieren. Jedes Opfer in Gaza liegt in der Verantwortung der
Hamas und der ihrer Geldgeber.

Liebe Freundinnen und Freunde,
jeder Tag der Geiselhaft ist ein unerträgliches Unrecht, das unsere
Stimmen und unser Handeln fordert.
„Freiheit für die Geiseln – jetzt und ohne Bedingungen!
Die Reaktion der Hamas auf den neuesten Waffenstillstandsplan zeigt,
dass sie weiter auf Zeit spielt. Jetzt gilt es, den Druck
aufrechtzuerhalten, um den Geiseln Leben und der Region Hoffnung
zu schenken. Die Geiseln sind nicht nur Opfer der Hamas, sondern
auch des Regimes im Iran. Nur wenn die Hamas die Geiseln
umgehend freilässt, die Waffen niederlegt und die Geld- und
Waffenlieferungen aus Teheran unterbunden werden, kann der Krieg
in Gaza, Israel und der Region ein Ende finden.

Meine Damen und Herren,
Auschwitz begann nicht mit den Gaskammern, sondern mit Wegsehen
und Schweigen. Auch der 7. Oktober begann nicht an jenem Morgen.
Er wurde möglich nur durch Jahrzehnte der Duldung und
Unterstützung des Holocaustleugner-Regimes, der Hamas und ihrer
Helfer auch aus Deutschland.
Nie wieder ist jetzt!

Israel ist die einzige Demokratie im Nahen Osten. Nur dort können
Juden, Christen, Muslime, Frauen, LGBT und andere Minderheiten
frei leben. Wer Israel unterstützt, unterstützt Freiheit. Wer es
dämonisiert, bedient die antisemitischen Terroristen.
Ja zum Leben – Nein zum Terror, zur Hamas und den Mullahs!
Auch in Deutschland erleben wir, wie Judenhass wieder offen auftritt:
Demonstrationen mit vernichtungsantisemitischen Alquds-Tags
Parolen direkt aus Teheran. In Neukölln ruft ein Flyer zum Mord auf –
nur weil eine Kneipe sich israelsolidarisch gegen Antisemitismus
stellt.

Die angeblichen „Free-Gaza-Palästine“-Proteste sind antiisraelisch
und antisemitisch. Sie verschleiern die Verbrechen des
Oktoberpogroms und unterstützen offen oder verdeckt die
Terrorpolitik der Hamas in Gaza. Sie dienen nicht dem Frieden,
sondern den Interessen der Mullahs und islamistischer Terrorgruppen
und gefährden die Sicherheit, die Demokratie sowie das jüdische
Leben in Deutschland.

Jüdische Menschen und jüdische Institutionen müssen konsequent
geschützt werden!

Als iranischer Oppositioneller sage ich: Die Menschenrechte der
Iraner und die Sicherheit Israels sind untrennbar. Das Mullah-Regime
führt Krieg gegen Israel und gegen die iranische Bevölkerung. Es
verhaftet, foltert und mordet – auch unter dem Vorwand der
„Spionage für Israel“.

Die mutige Frauen- und Mädchen-Bewegung „Jin, Jiyan, Azadî“
kämpft gegen das Regime, das Israel vernichten will und für die
Freiheit, die Israel verkörpert. Sie braucht unsere Unterstützung, nicht
nur Sympathie oder politische Lippenbekenntnisse.
Das Appeasement ist sofort zu beenden- Die Revolutionsgarde
muss auf die EU-Terrorliste!
Jin, Jiyan, Azadî – Iran will be free!

Liebe Freundinnen und Freunde,
die Städtepartnerschaft der baden-württembergischen Stadt Freiburg
mit Isfahan steht für moralisches Versagen. Isfahan unter der Mullah
Verwaltung bedeutet nicht Historie und Kultur, sondern
Urananreicherung, Raketenproduktion und Hinrichtungen. Von dort
gingen Irans Raketenangriffe auf Israel aus.
Diese Appeasement-Freundschaft ist Verrat an den
Freiheitskämpfer:innen im Iran, an den Opfern des Terrors und an
Israel.

Keine Partnerschaft mit Terror – keine Freundschaft mit
Mördern und Holocaustleugnern!

Solidarität mit Israel ist die obligatorische Verteidigung der
Menschenrechte aller. Antisemitismus ist kein Platz zu gewähren.
Steht entschlossen an der Seite Israels – moralisch, politisch und
logistisch.

Von Gaza bis Teheran: Marg bar jomhuriye eslami!
Free Gaza from Hamas!
Am Israel Chai – Israel lebt!
Vielen Dank!


Rede von Nikita Nikischin (DIG Freiburg und Beauftragter der IGF für Sicherheit, Recht und Kommunikation)

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freundinnen und Freunde,

„Erinnern heißt, eines Geschehens so ehrlich und rein zu gedenken, daß es zu einem Teil des eigenen Innern wird.“ sagte der vielzitierte Präsident der Bundesrepublik Deutschland von Weizsäcker vor 40 Jahren anlässlich des Gedenkens zu 40 Jahren Weltkriegsende in Europa. 40 Jahre nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht und damit der Beendigung des Vernichtungskriegs des vor allem vom fanatischen Vernichtungsantisemitismus getriebenen nationalsozialistischen Regimes. 40 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz. Nicht durch Friedensdemonstranten, sondern durch die Armeen der Antihitlerkoalition. Die Bilanz für Deutschland vor nunmehr 80 Jahren während sich dessen nationalsozialistische Führer unter der Erde ihrer Verantwortung entzogen: Zahlreiche deutsche Innenstädte zu weit über 90 Prozent zerstört. 6 Millionen Deutsche fielen dem von Deutschland begonnenen Zweiten Weltkrieg zum Opfer. Deutschland wurde militärisch besiegt und in Besatzungszonen aufgeteilt, im Rahmen der Demilitarisierung entwaffnet und im Rahmen der Denazifizierung einem jahrelangen Entradikalisierungs-Programm unterworfen. Erst 5 Jahre nach Weizsäckers Rede entfielen mit der Zustimmung der Alliierten zur Wiedervereinigung und dem Zwei-plus-Vier-Vertrag die letzten Vorbehaltsrechte der Alliierten hinsichtlich der politischen Zukunft Deutschlands.

Ob diese – unsere gemeinsame Geschichte – heute wirklich noch Teil unseres Inneren ist, mag dieser Tage bezweifelt werden. Unzweifelhaft hingegen gilt dies für den 7. Oktober 2023 innerhalb der israelischen Gesellschaft und der jüdischen Gemeinschaft weltweit.

Kennen Sie dieses Gefühl, meine Damen und Herren? Wenn Sie auf ihre vertrauten Straßen rausgehen und sich am helligten Tag – an dem das Leben um Sie herum scheinbar seinen normalen Gang geht – auf einmal ängstlich umschauen müssen. Kein äußerer Umstand in Ihrer Umgebung – wie etwa ein lautes Geräusch oder ähnliches – scheint Anlass dafür zu geben. Aber Sie müssen es trotzdem. Und Sie fühlen sich auf einmal allein, hilflos und zutiefst verwundbar? Kennen Sie dieses Gefühl? Ich wünsche es keinem! Doch so oder ähnlich fühlten sich wohl die meisten Juden an jenem Tag. Und erst vor drei Tagen hatten wir in Freiburg – und hier spreche als Sicherheitsbeauftragter einer jüdischen Gemeinde – an Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, einen extrem angespannten und schwierigen Sicherheitseinsatz. Neben erneuten internationalen Aufrufen der Hamas und des IS zu Anschlägen auf jüdische Einrichtungen, kam wieder ein tödlicher Anschlag auf eine Synagoge in Europa und eine „spontane“ Palästinademonstration bei uns in Freiburg hinzu, die just in dem Zeitraum unweit der Synagoge vorbeilaufen sollte, in dem unsere Mitglieder zum Abschlussgebet des Tages kamen. Ich musste unser gesamtes Sicherheitsteam rausklingeln, mit der Polizei und Demobeobachtern koordinieren und vieles mehr. Klingt nach Ausnahmezustand? Und doch ist dies seit dem 7. Oktober 2023 jüdischer Alltag geworden.

„Ich werde aus dem Zeit-Raum gehen, weil es tagt und das Unheil naht, das Un-Heilige im Zeichen der Heil-Rufe, die an mein Ohr gellen. Ich scheide ohne Verbitterung und klaglos, nur voller Trauer über die Schmach, die meinem Volk, dem Volk Gottes, angetan wurde, von meinem Volk, dem Volk der Deutschen, dem ich mich zugehörig fühle, das mir vertraut ist seit Kindheit an, dessen Sprache ich als Muttersprache spreche und liebe.“

Diese Zeilen schrieb die Freiburger Jüdin, Therese Loewy, kurz bevor sie sich – im Angesicht der anstehenden Deportation der noch übrigen Freiburger Juden – im Jahr 1940 das Leben nahm.

Heute ist jüdisches Leben in Deutschland und Europa so bedroht, wie seit dem Holocaust nicht mehr. Gleichzeitig sind die Traumata des 07.10. bis heute nicht verarbeitet, hat der 8. Oktober für uns – und insbesondere für die Angehörigen der Geiseln – nicht wirklich angefangen. Und doch müssen wir uns gleichzeitig seit jenem 8. Oktober vor zwei Jahren, anhören, dass das mit offenerer genozidaler Absicht und einem entsprechenden Eifer durchgeführte größte antisemitische Massaker seit der Shoa, an Babys bis Holocaustüberlebenden, doch nicht im luftleeren Raum geschehen sei und eine Vorgeschichte habe… Ob damit die… über 6000 abgeschlachteten Juden im marokkanischen Fes um Jahre 1033 gemeint sind oder die unzähligen anderen Pogrome und systematische Diskriminierung von Juden in muslimischen, wie christlichen Gesellschaften über die Jahrhunderte… wir wissen‘s nicht.

WAS wir hingegen wissen ist, dass zu den unzähligen „Davors“ und „Danachs“, die die jüdische Geschichte prägen und derer wir Jahr für Jahr seit Jahrhunderten und tausenden gedenken, seit 1948 ein alles entscheidendes hinzugekommen ist:

Eines, das kein ausschließliches, aber ein ausdrückliches Schutzversprechen gegenüber allen Juden weltweit beinhaltet und als einziges stets und bedingungslos gewährleistet, dass wir nach Jahrhunderten- und tausenden der Ausgrenzung, Entrechtung, Vertreibung, Verfolgung und Vernichtung, alledem NIE WIEDER wehrlos gegenüberstehen!

Eines, das sicherstellt, dass wir NIE WIEDER „klaglos dahinscheiden“.

Das ist unser Gedenken und das ist und das bleibt unser NIE WIEDER!


Rede von Bernd Sommer (Mitglied des Präsidiums der DIG und Vorsitzender DIG Heilbronn)

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, sehr geehrte Damen und Herren,

ich grüße Sie als Freundinnen und Freunde des demokratischen Rechtsstaates Israel.

Diese Tatsache, d a s s Israel ein demokratischer Rechtsstaat ist

– mit einer frei gewählten Regierung, die offen kritisiert werden kann, wovon die israelische Bevölkerung regelmäßig Gebrauch macht

– mit einer freiheitlichen Kultur des demokratischen Streites

– ein Staat, der Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit & die Freiheit der persönlichen Lebensgestaltung garantiert

  • D i e s e politische Realität in der emotional aufgeheizten Debatte der Gegenwart zu betonen: D a s war selten so entscheidend wichtig wie heute.

Warum ist das so? Weil seit dem 7. Oktober 2023 die Straßen der Bundesrepublik, Europas und der Vereinigten Staaten von einer Woge des Hasses auf den jüdischen Staat heimgesucht werden, die alle Freund:Innen von Recht, Gesetz und Freiheit zu äußerster Wachsamkeit motivieren muss.

Der israelischen Bevölkerung ist an diesem 7. Oktober 2023 ein Krieg aufgezwungen worden, den sie nicht wollte. Erinnern wir uns an die Besucher:Innen des Nova-Festivals im südwestlichen Negev: Sie wollten feiern, sie wollten tanzen und Spaß haben – sie wollten alles andere als Krieg. Sie wollten eine schöne Zeit in der friedlichen Atmosphäre des Negev erleben. Sie wurden Opfer des schlimmsten Pogroms seit der Shoa.

Heute wissen wir, dass bereits am Nachmittag dieses 7. Oktober und dann am darauffolgenden Tag die ersten sogenannten „propalästinensischen“ Demonstrationen organisiert wurden: Nicht nur in London und New York, sondern in zahlreichen anderen Metropolen Europas und der USA. Zu einer Zeit also, in der die israelische Armee noch gar nicht begonnen hatte, massiv militärisch auf den Pogrom der Hamas zu reagieren.

Seitdem wird die Welt von einer Welle der Agitation gegen Israel heimgesucht, wie man sie nicht für möglich gehalten hatte. Dabei wurde im Lauf der Zeit immer deutlicher: Diesen Kundgebungen des Israelhasses ging und geht es in erster Linie gar nicht um die Bevölkerung des Gazastreifens – sondern um die Delegitimierung des Staates Israel.

Die Lage der Menschen im Gazastreifen ist bedrückend – der frühere US-Präsident Joe Biden hatte sie als erster zutreffend als „inakzeptabel“ bezeichnet. Diese Situation wurde allerdings bewusst von der islamofaschistoiden Terrororganisation Hamas – im ideologischen Wahn des von ihr beschworenen Märtyrer- und Todeskultes – herbeigeführt und inszeniert. Gleichwohl ist es ein Gebot der Humanität, der Bevölkerung in Gaza die Hilfe zukommen zu lassen, die zur Abwendung ihrer Not geboten ist. Diese Hilfe muss allerdings so organisiert werden, dass durch sie nicht die mafiösen & terroristischen Strukturen und Netzwerke der Hamas gestärkt werden.

Nochmals: Das eigentliche Ziel nahezu aller antiisraelischer Manifestationen in Europa und den USA war und ist nichts anderes als die Delegitimierung des jüdischen Staates – die Bestreitung seines Rechtes auf Existenz. Es ging und geht diesen Milieus im Kern darum, das politische Projekt Israel als gescheitert zu deklarieren. Was anderes bedeutet denn sonst die Parole „From the river to the sea…“ – als die klar formulierte Bestreitung des Existenzrechtes Israels?

Diese Demagogie der Bestreitung des Existenzrechtes Israels konfrontieren w i r mit unserem entschiedenen Widerstand.

Wir stehen an der Seite der israelischen Bevölkerung – als Freunde, als Verbündete, als verlässliche und loyale Bündnispartner – als Menschen, für die der Ausruf „Am Israel Chai!“ – keine sentimentale Folklore ist, sondern reflektierte politische Überzeugung.

Das Präsidium der Deutsch Israelischen Gesellschaft begrüßt daher die Aktivierung des Snapback-Mechanismus gegen den Iran, die am 28. August durch drei Außenminister der Europäischen Union ausgelöst wurde: Diese wieder in Kraft gesetzten internationalen Sanktionen richten sich gegen die islamistische Theokratie in Teheran – deren Staatsräson die Vernichtung Israels ist – die nach atomarer Hegemonie im Mittleren Osten strebt – und die gleichzeitig ihre eigene Bevölkerung auf das Schändlichste unterdrückt. Das Atomprogramm des Teheraner Regimes muss überprüfbar und endgültig beendet werden – ebenso ist das aggressive Potential an ballistischen Raketen aufzulösen – und es muss endlich Schluss sein mit der Unterstützung terroristischer Organisationen wie Hamas, Houthi-Milizen und Hizbollah durch den Iran.

Im Blick auf die aktuellen Entwicklungen der letzten Tage – appellieren wir an alle verantwortungsbewussten palästinensischen Entscheidungsträger in Gaza, Ramallah, Doha – und bei den Verhandlungen ab morgen in Sharm El Sheikh auf dem Sinai – Ergreifen Sie j e t z t die Chance zur Waffenruhe, die der Friedensplan der US-Regierung bietet: Die sofortige Freilassung aller Geiseln & die vollständige & kompromisslose Entwaffnung der Hamas sind die ersten Schritte auf dem herausfordernden Weg zum Frieden!

Die DIG – als größte prozionistische Organisation der Bundesrepublik Deutschland – wird auch künftig unseren israelischen Verbündeten loyal zur Seite stehen & den Staat Israel verlässlich und solidarisch unterstützen.

Am Israel Chai. Toda raba. Vielen Dank.



Aus der Moderation von Johannes Merker (Denkendorfer Kreis für christlich-jüdische Begegnung): Ich kenne das: „Von tagespolitischen Nachrichten überrollt zu sein. Lebensentscheidende Fakten verfliegen und Versprechungen des Morgens sind von den Nachrichten des Abends zu Unwahrheiten umgeschrieben.“

Ich nehme dramatisch wahr, wie die Menschen, geht es um Israel, ihren moralischen Kompass verlieren oder dies droht. Mit einem Bild will ich etwas verdeutlichen. Ihr kennt das beim Autofahren mit manuellem Getriebe, „gleichzeitig mit dem rechten Fuß Gas geben und mit dem linken die Kupplung langsam loszulassen“. Das kann heikel sein, aber man kann es lernen! Mit diesem Bild will ich verdeutlichen, dass wir uns auch in komplizierten Zeiten richtig verhalten können, den moralischen Kompass bewahren können, wenn es um Israel geht. 

– Wir zeigen unsere Verbundenheit mit Israel auch mit unseren Israelfahnen,
die wir fröhlich präsentieren.

Ja – wir zeigen fröhlich unsere Israelfahnen, unsere Verbundenheit mit Israel, weil wir uns mühen, mit Gottes Hilfe, immer wieder den „Weg der Geradheit“ zu gehen.

Nicht verstecken! Nicht verzagen!

Mögen diese Bilder überall in der Öffentlichkeit gesehen werden, in allen Medien und auf allen Kanälen. Und ebenso in den Mails, die wir an unsere Familien und an unseren Freundeskreis schicken. 

Nicht verstecken! Nicht verzagen!

Bitte hört mich:

Ich wende mich auch an diejenigen, die nicht hier sind und sich entscheiden zu pro-palästinensischen Demos zu gehen. Hört auf mit Eurem Gebrüll, Eurem Antisemitismus und Eurem Israelhass – dann werde ich still und mit Anteilnahme auch zu Eurer Demo kommen, um Leid und Schmerz zu teilen.

Israelsolidarische Kundgebung 5.10.



am Sonntag, den 5. Oktober rufen die DIG Stuttgart und ICEJ zu einer Großkundgebung auf dem Marktplatz auf.  

Der Aufruf wird unterstützt von IRGW, Deutsch-Israelische Gesellschaft e.V., DIG Karlsruhe Mittelbaden, DIG Mannheim Mittlerer Neckar, DIG Ulm/Neu-Ulm, DIG Heilbronn, DIG Freiburg, DIG Bodensee-Region, Junges Forum der DIG Stuttgart, Jüdische Studierendenunion Württemberg, WIZO, Förderverein Emanzipation und Frieden, KKL-JNF, Keren HaYesod, Denkendorfer Kreis für christlich jüdische Begegnung e.V., Christen an der Seite Israels, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Verein Drusen in Deutschland e.V., ARC to Israel, City Chapel Stuttgart.

Aufruf:

Solidarität mit Israel.
Gegen jeden Antisemitismus!

Am 7. Oktober jährt sich das antisemitische Massaker im Westlichen Negev zum zweiten Mal. Wir rufen zur Solidarität mit den Menschen in Israel auf. Wir fordern die Freilassung aller noch in palästinensischer Geiselhaft verbliebenen Entführten!

Wir werden ein starkes Zeichen gegen JEDEN Antisemitismus setzen. Wir rufen dazu auf, sich gegen den Vernichtungsantisemitismus im Nahen Osten und den Antisemitismus auf deutschen Straßen zu positionieren und für die Sicherheit sichtbaren jüdischen Lebens im öffentlichen Raum. 

RednerInnen:

Bärbel Illi (Deutsch-Israelische Gesellschaft Region Stuttgart)
Gottfried Bühler (International Christian Embassy Jerusalem – deutscher Zweig)
Michael Kashi (Israelitische Religionsgemeinschaft Württemberg) 
Bernd Sommer (Präsidium Deutsch-Israelische Gesellschaft)
Josias Terschüren (Christen an der Seite Israels)
Dr. Kazem Moussavi (Green Party of Iran)
Jule Valentina Schäfer (Jüdische Studierendenunion Württemberg) 
Nikita Nikischin (DIG Freiburg und Beauftragter der IGF für Sicherheit, Recht und Kommunikation)
Dr. Michael Blume (Beauftragter des Landtags gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben) 

Moderation: Johannes Merker (Denkendorfer Kreis für christlich-jüdische Begegnung)

Im Rahmen der Kundgebung werden statements aller Mütter der deutschen Hamas Geiseln verlesen und der Opfer des 7.10. mit einer Schweigezeit gedacht.

Der Kantor der Stuttgarter Synagoge, Nathan Goldman, wird ein Gebet sprechen.

Israelfahnen sind ausdrücklich erwünscht

Aufbrüche und Umbrüche – Die Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland seit 1945


HISTORISCHES SYMPOSIUM

Donnerstag, 13. November, 14:30 Uhr

Haus der Geschichte, Konrad-Adenauer-Str. 16, Otto-Borst-Saal


Die Referenten:

Dr. Joachim Hahn, Plochingen

Der Neuaufbau der jüdischen Gemeinde in Stuttgart in den ersten Jahren nach 1945

Rabbiner Dr. Joel Berger, Stuttgart

Wie habe ich um 1980 die jüdische Gemeinde in Stuttgart vorgefunden?

Günter Jek, Berlin

Bilanz der Integration der Einwanderer aus den ehemaligen GUS-Staaten

Prof. Dr. Philipp Lenhard, München

Die deutschen Juden und Israel: Geschichte einer Beziehung von den Anfängen bis zum 7. Oktober 2023

Moderation: Susanne Wetterich


Die Wiedergründung der jüdischen Gemeinde in Stuttgart vor 80 Jahren bietet Anlass zum diesjährigen Motto der gesamten Veranstaltungsreihe „Mitten dabei. 80 Jahre jüdisches Leben in Stuttgart“. Davon ausgehend soll das historische Symposium nicht bei Stuttgart und der Zeit nach 1945 stehenbleiben, sondern unter verschiedenen Aspekten die Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland bis heute zum Thema haben.

Bereits kurz nach Kriegsende taten sich in einigen Städten, darunter Stuttgart, jüdische Menschen zusammen mit dem Ziel, ein jüdisches Gemeindeleben wiederaufzubauen. Am 2. Juni 1945 fand in Stuttgart wieder der erste jüdische Gottesdienst statt.

Deutschland wurde in den Folgejahren immer wieder zum Ziel jüdischer Zuwanderer aus Ländern, in denen sie sich bedroht fühlten. Allerdings wanderten im Gegensatz zu Israel und den USA bis zum Fall der Mauer nur einige tausend Jüdinnen und Juden ein.

In der DDR wiederum waren infolge der Verfolgung und Ermordung zahlreicher Jüdinnen und Juden in der stalinistischen Sowjetunion, was auch teilweise auf die DDR überschwappte, viele jüdische Menschen Repressionen ausgesetzt, weshalb etliche von ihnen in die Bundesrepublik flohen.

Seit den 1980er Jahren präsentierte sich die jüdische Gemeinschaft in der Bundesrepublik, vertreten durch den Zentralrat der Juden in Deutschland, zunehmend mit eigenen Initiativen und Forderungen in der Öffentlichkeit. Zudem erstarkte das Interesse an jüdischen Themen und dem Schicksal der Jüdinnen und Juden. Neben das Interesse für die Zeit der Vernichtung trat auch die Beschäftigung mit der reichen jüdischen Geschichte und den Resten des jüdischen Lebens in der Gegenwart. Neue jüdische Museen wurden gegründet und neue universitäre Einrichtungen zur Erforschung und Lehre der jüdischen Geschichte und Kultur eingerichtet.

Dennoch blieb die jüdische Gemeinschaft klein und überalterte zunehmend. Die entscheidende Veränderung kam mit dem Fall der Mauer und der Öffnung der Sowjetunion. Ein Teil jüdischer Auswanderer aus den GUS-Staaten gelangt seitdem nach Deutschland. Innerhalb nur weniger Jahre hat sich die jüdische Gemeinschaft vervierfacht, und sie wächst weiter an.

Infolge des Terrorangriffs am 7. Oktober 2023 häufen sich die antisemitischen Vorfälle und Gewalttaten in Deutschland. Viele fühlen sich ausgegrenzt und bedroht. Ob dies eine erneute Zäsur für die Jüdinnen und Juden in Deutschland darstellt, wird unterschiedlich bewertet.

Der evangelische Theologe Dr. Joachim Hahn wurde 1981 an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen promoviert. Von 1980 bis 2005 war er auf verschiedenen Stationen als Gemeindepfarrer, Studienleiter, Dozent, Schulpfarrer und zuletzt als Kirchenrat für den Evangelischen Oberkirchenrat in Stuttgart tätig. Darüber hinaus engagiert er sich in der Kommunalpolitik.

Angeregt durch Aufenthalte in Israel (seit 1971) verfasste Hahn zahlreiche Bücher und Aufsätze über jüdische Geschichte und Kultur in Südwestdeutschland. Hahn ist darüber hinaus Mitbegründer von Alemannia Judaica (Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum). Im Jahr 2000 wurde Hahn in Berlin mit dem Obermayer German Jewish History Award ausgezeichnet, 2009 erhielt er in Stuttgart die Otto-Hirsch-Medaille, 2022 das Bundesverdienstkreuz am Band.

Rabbiner Dr. h.c. Joel Berger wurde 1937 in Budapest geboren und emigrierte 1968 nach Deutschland. Seither war er als Rabbiner in Düsseldorf, Göteborg (Schweden), Bremen und als Landesrabbiner in Stuttgart tätig. Er war lange Jahre Hochschuldozent am Ludwig-Uhland-Institut der Universität Tübingen, die ihm auch den Ehrendoktor verlieh. Er ist Verfasser zahlreicher Veröffentlichungen über Geschichte, Volkskultur und Kulturgeschichte des Judentums, unter anderem die Autobiographie „Der Mann mit dem Hut“ und „Mit Rabbiner Joel Berger durch das jüdische Jahr“. 2019 erschien beim Haus der Geschichte Baden-Württemberg sein Buch „Gesetz – Ritus – Brauch: Einblicke in jüdische Lebenswelten“.

Im Jahr 2001 wurde Berger die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg verliehen, 2015 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande, 2017 die Bürgermedaille der Stadt Stuttgart.

Joel Berger lehrt und forscht zur jüdischen Heimatgeschichte und publiziert über das Judentum.

Günter Jek studierte Geschichte und Politikwissenschaften in Bochum und Soziale Arbeit in Dortmund. Er leitet das Berliner Büro der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, des sozialpolitischen Dachverbands der jüdischen Gemeinschaft (ZWST) und betreut primär die Politikfelder Migration, Integration und Soziale Sicherungssysteme.

Die ZWST bildet den Zusammenschluss der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland und sieht ihr Hauptanliegen in der Pflicht zur Hilfe im Sinne ausgleichender sozialer Gerechtigkeit. Im Jahr 2024 verzeichnete die ZWST mit rund 6.400 Ratsuchenden, darunter zirka 4.600 geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainer, einen erneut gestiegenen Beratungsbedarf. Diese Zahlen sprechen dafür, dass sich das Beratungsangebot den Auswirkungen stets neuer Krisen stellen und auf die komplexen Bedürfnisse der Ratsuchenden in einem sich schnell verändernden politischen Umfeld reagieren muss.

Prof. Dr. Philipp Lenhard studierte Judaistik, Philosophie und Anglo-Amerikanische Geschichte an der Universität Köln. Nach einem Stipendium beim Internationalen Graduiertenkolleg „Religiöse Kulturen im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts“ und Promotion war er 2014 bis 2022 als Akademischer Rat am Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur an der Universität München tätig. Nach einer Vertretungsprofessur am Martin-Buber-Institut für Judaistik der Kölner Universität, Habilitation und einer DAAD-Professur an der University of California, Berkeley vertritt er seit September 2024 den Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur an der Universität München. Für seine Dissertation mit dem Titel „Von Blut und Geist. Die Entstehung moderner jüdischer Ethnizität in Frankreich und Deutschland 1782–1848“ erhielt er den Max-Weber-Preis.

Die studierte Historikerin und gelernte Rundfunkjournalistin Susanne Wetterich ist stellvertretende Vorsitzende der DIG Region Stuttgart.

Veranstalter: IRGW, Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Deutsch-Israelische Gesellschaft Region Stuttgart e.V. / Eintritt frei

Anmeldung erbeten an veranstaltungen@hdgbw.de; Telefon Besucherdienst: 0711 / 212 3989

ÖPNV: Haltestelle Charlottenplatz