Vortrag und Podiumsdiskussion: Wie kann der iranischen Bedrohung begegnet werden?

Vortrag von Stephan Grigat
 
Anschließend Podiumsdiskussion mit

  • Renata Alt, MdB (FDP)
  • Josip Juratovic, MdB (SPD)
  • Dr. Stefan Kaufmann, MdB (CDU)
  • Cem Özdemir, MdB (Bündnis 90/Die Grünen)


 
Zeit: Donnerstag, 28. Januar 2021, 19 Uhr
Ort: Online via Zoom

Veranstalterin: DIG Region Stuttgart e.V.

Anmeldung: Bitte per E-Mail an info@dig-stuttgart.net
 
Während Israel und viele arabische Staaten sich zusammentun, um die aggressive Politik des iranischen Regimes abzuwehren, setzt die deutsche Außenpolitik nach wie vor auf Dialog und Zusammenarbeit mit Teheran. Zwar wurde die Hisbollah in Deutschland verboten; gegen die Finanziers der Hisbollah, das antisemitische Terrorregime im Iran, wird immer noch nicht konsequent vorgegangen, und iranische Oppositionelle erfahren in Deutschland nicht jene Unterstützung, die sie verdienen.

Wie sähe stattdessen eine Außenpolitik aus, welche die Erfahrung des Nationalsozialismus auch im globalen Maßstab ernst nimmt? Wie sind die Gefahren, die vom Ajatollah-Regime im Iran ausgehen, einzuschätzen? Und was muss die Bundesregierung tun, um die Bedingungen für Israels Selbstverteidigung nicht weiter zu erschweren? Diese Fragen wollen wir mit Abgeordneten aus der Region diskutieren.

Stephan Grigat ist Dozent für Politikwissenschaft an der Uni Passau und der Uni Wien, Fellow am Moses Mendelssohn Zentrum der Uni Potsdam und am Herzl Institute der Universität Haifa sowie Wissenschaftlicher Direktor von STOP THE BOMB in Österreich. Er ist Autor von „Die Einsamkeit Israels. Zionismus, die israelische Linke und die iranische Bedrohung“ (Konkret 2014) und Herausgeber von „Iran – Israel – Deutschland: Antisemitismus, Außenhandel & Atomprogramm“ (Hentrich & Hentrich).

Zum Vortrag: Israelische Sicherheitspolitik – Warum sie auch unter einer anderen Regierung nicht grundsätzlich anders sein kann

Gemeinsam mit der Reinhold-Maier-Stiftung organisierte die DIG Region Stuttgart im Haus der Wirtschaft den mit rund 120 Zuhörern gut besuchten Vortrag von Prof. Dan Schueftan – und damit die vorerst letzte Präsenzveranstaltung vor dem Lockdown. Schueftan, der Direktor des Studienzentrums für Nationale Sicherheit an der Universität Haifa und Dozent an der Akademie der Israelischen Streifkräfte ist und Berater des Israelischen Nationalen Sicherheitsrats war, gelang es durch seine kluge und humorvolle Art, die Aufmerksamkeit der Zuhörer für seinen hochinformativen und zugleich kurzweiligen Vortrag zu gewinnen.

Gleich zu Anfang stellte der Referent klar, dass die Nationalsicherheit Israels weitaus mehr umfasst als nur Militär, Politik und Wirtschaft. Will man über die Erfolge und Misserfolge Israels sprechen, muss man auch die historische Perspektive beachten: Was wurde in den letzten 140 Jahren – von dem Moment an, als die Juden als zionistisches Kollektiv heimkehrten – erreicht? Zwischen König David und Ben Gurion liegen Jahrtausende – und wenn Menschen so lange nicht in ihrer Heimat leben, geschieht etwas. „Wir sind noch kein Volk“ hatte Ben Gurion einst gesagt und tatsächlich hatten die Juden aus aller Welt am Anfang nicht mehr gemeinsam als dasselbe Gebetbuch und das Gedächtnis an Jahrtausende der Vergangenheit. Die Juden aus Europa und die aus den arabischen Staaten hatten wenig miteinander zu tun und die Mehrheit kam nicht aus zionistischer Überzeugung, sondern weil sie nirgendwo anders hinkonnten und lieber nach Amerika ausgewandert wären. Fragte man Juden in den 30er Jahren „Kommen Sie aus Überzeugung?“ war die Antwort oft „Nein, aus Deutschland“. Bei der Aufgabe, ein funktionierendes und solidarisches Volk entstehen zu lassen, kam ausgerechnet der Armee eine wichtige Rolle zu. Oder wie Dan Schueftan es scherzhaft formulierte: „Allen anderen erzählen wir, dass wir ein großes und starkes Militär brauchen, um unsere Feinde abzuschrecken, aber eigentlich hat das israelische Militär eine soziologische Aufgabe“. Nämlich die Gelegenheit für junge Leute, sich kennenzulernen und zu vermischen, so dass heute viele Israelis gar nicht mehr genau wissen, ob sie nun orientalische oder westliche Wurzeln haben. Und das ist eigentlich der größte Erfolg Israels: eine Solidarität in der Gesellschaft, die man sich früher so nicht einmal erhoffen konnte.
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Wir trauern um Benjamin Diehl

28.09.1994 – 22.10.2020

Benny war ein großer Freund Israels. Seit Juni 2014 war er Mitglied bei uns, der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Bereits im Jahr 2012 besuchte er den traditionellen Israeltag auf dem Schlossplatz in Stuttgart, bei dem wir die Staatsgründung Israels feiern. So kam er zum ersten Mal in Kontakt mit uns. Er erzählte uns, dass er damals nur deshalb noch nicht gleich Mitglied in der DIG Stuttgart wurde, weil er nach der Schule erst mal ins Ausland fahren wollte. Als er dann im Juni 2014 Mitglied der DIG wurde, gründete er auch gleich noch in diesem Jahr das Junge Forum der DIG Stuttgart mit. Und im November 2014 moderierte er in dieser Funktion eine Lesung von Tuvia Tenenbom aus dessen Buch „Allein unter Juden. Eine Entdeckungsreise durch Israel“.

Wir waren stolz darauf, dass er später auf Bundesebene eine tragende Rolle im Jungen Forum ausfüllte. So war Benny von 2015 bis 2017 im Bundesvorstand des Jungen Forums. Wir freuten uns, dass er uns immer wieder beim Israeltag in Stuttgart besuchte.

Wir behalten Benny in guter Erinnerung und wir sind sehr traurig, dass wir mit ihm einen sympathischen Freund und aktiven und belesenen Mitstreiter gegen den Antisemitismus verloren haben.

Online-Vortrag: Die israelfeindliche Politik der DDR – Antisemitismus trotz Antifaschismus?

Vortrag von Dr. Martin Jander

 

Zeit: Mittwoch, 4. November 2020, 19 Uhr
Ort: Online via Zoom
Moderation: Susanne Wetterich
Veranstalterinnen: DIG Region Stuttgart e.V., IRGW, evangelisches Bildungszentrum Hospitalhof Stuttgart
 
Anmeldung: Bitte per E-Mail an info@dig-stuttgart.net

 

Trotz vielfältiger Recherchen zu Geschichte und Struktur der DDR – allein der Bundestag setzte zwei Enquetekommissionen dazu ein – haben Forschung und Publizistik einen weiten Bogen um die Zusammenhänge von DDR, Antisemitismus und Israel-Feindschaft gemacht. Nur wenige Forscher wie Jeffrey Herf, Thomas Haury, Rainer M. Lepsius so wie die Amadeu Antonio Stiftung aus Berlin haben sich bislang mit den Themen intensiv beschäftigt und dazu publiziert. Dr. Martin Jander zeigt in seinem Vortrag die Entstehung und Entwicklung der nachnationalsozialistischen DDR-Gesellschaft, deren Selbstverständnis antifaschistisch, deren Politik nach innen und außen jedoch antisemitisch und israelfeindlich ausgerichtet war. Der größte Teil der DDR-Juden wurde im Winter 1952/53 vertrieben. Ab 1967 unterstützte die DDR Kriege gegen Israel militärisch. Antisemitismus und Israel-Feindschaft waren jedoch nicht nur der Politik der DDR-Führung geschuldet. Sie waren auch in der DDR-Gesellschaft präsent, die seit 1945 zwar in eine nicht-kapitalistische Gesellschaft transformiert wurde, Antisemitismus und Rassismus jedoch nicht aufarbeitete.

Dr. Martin Jander arbeitet als Historiker, Journalist und Erwachsenenbildner in Berlin. Er forscht zur Geschichte der DDR und zum deutschen Linksterrorismus. Jander unterrichtet deutsche und europäische Geschichte an Dependancen der „Stanford University“ und „New York University“ in Berlin.

Die gelernte Rundfunkjournalistin Susanne Wetterich ist Mitglied im Vorstand der DIG Region Stuttgart. Im Auftrag der IRGW leitet sie das Vorbereitungsteam der Jüdischen Kulturwochen.