{"id":3551,"date":"2022-06-25T07:38:25","date_gmt":"2022-06-25T05:38:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dig-stuttgart.net\/?p=3551"},"modified":"2022-06-25T07:38:26","modified_gmt":"2022-06-25T05:38:26","slug":"statement-zur-relativierung-von-antisemitismus-in-der-stuttgarter-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dig-stuttgart.net\/?p=3551","title":{"rendered":"statement zur Relativierung von Antisemitismus in der Stuttgarter Zeitung"},"content":{"rendered":"\n<p><em>In der Stuttgarter Zeitung erschien am 22.06. ein <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.documenta-verhuellt-rassistisches-bild-von-zensur-spricht-niemand.99c48cba-7c05-430c-bfe9-cedbe1f2a7a1.html?reduced=true\">Leitartikel \u201eVon Zensur spricht Niemand\u201d von Adrienne Braun<\/a>, den wir als DIG Stuttgart nicht unkommentiert lassen k\u00f6nnen, weshalb sich der Vorstand entschlossen hat, einen Leserbrief zu schreiben.<\/em><br>__<br><br>Hinsichtlich der documenta15 begr\u00fc\u00dft die Deutsch-Israelische Gesellschaft Region Stuttgart die Entfernung eindeutig antisemitischer Bildsprache aus dem \u00f6ffentlichen Raum.<\/p>\n\n\n\n<p>Die DIG Stuttgart widerspricht ausdr\u00fccklich dem Leitartikel &#8222;Von Zensur spricht niemand&#8220; von Adrienne Braun vom 22.06., der den zur Schau gestellten Antisemitismus im Werk \u201ePeople&#8217;s Justice\u201d der Gruppe \u201eTaring Padi\u201d in mehrfacher Hinsicht relativiert. Die entmenschlichte und d\u00e4monisierende Darstellung von Juden als Blutsauger, Schweine und Nazis kann und darf nicht durch den Hinweis auf einen \u201eGraben zwischen westlichem und \u00f6stlichem Selbstverst\u00e4ndnis\u201c und einen nicht-westlichen \u201eKunstbegriff\u201c entschuldigt werden. Die strafrechtlich relevanten Darstellungen bedeuten eine Grenz\u00fcberschreitung, f\u00fcr die keine Kunstfreiheit gelten kann. Antisemitismus ist unbesehen der Herkunft und Perspektive und des kulturellen Kontextes derer, die ihn vertreten und ausstellen, uneingeschr\u00e4nkt zu verurteilen. Alles andere w\u00e4re Antisemitismus-Akzeptanz und fiele hinter universelle, zivilisatorische Mindeststandards zur\u00fcck. Im Besonderen verurteilen wir als DIG Stuttgart, dass Frau Braun den Eindruck erweckt, f\u00fcr J\u00fcdinnen und Juden w\u00fcrde man vorauseilend zensieren, w\u00e4hrend \u201erassistische, sexistische oder postkolonialistische Botschaften\u201c, durch die sich nicht-j\u00fcdische Gruppen \u201everletzt f\u00fchlen\u201c, oft mit der Freiheit der Kunst verteidigt w\u00fcrden. Diese \u201ezweierlei Ma\u00dfe\u201c, die Frau Braun hier sieht, bem\u00fchen die antisemitische Denkfigur des \u00fcberproportionalen Einflusses von J\u00fcdinnen und Juden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Entfernen des antisemitischen Werks darf nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass gut begr\u00fcndete Vorw\u00fcrfe des Antisemitismus im Vorfeld der documenta heruntergespielt wurden. Im Management und unter den Ausstellenden der documenta15 befinden sich zahlreiche Bef\u00fcrwortende der antisemitischen BDS-Kampagne und rund 25 Unterzeichnende von antiisraelischen Resolutionen. Antisemitismus wird auf der documenta nicht &#8211; wie von Frau Braun suggeriert &#8211; zu viel, sondern zu wenig kritisiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Entfernen des antisemitischen Werks von Taring Padi aus dem \u00f6ffentlichen Raum ist richtig und notwendig. Wir wollen die Forderung nach einem Verbot bestimmter Botschaften durch Gruppen, die sich dadurch verletzt f\u00fchlen, nicht relativieren. Aber hier muss unterstrichen werden, dass die antisemitische Bildsprache von Taring Padi in der Tradition der Judenverfolgung und -vernichtung steht. Und das ist keine subjektiv empfundene Gef\u00fchlsverletzung, sondern der Wunsch nach der Vernichtung des j\u00fcdischen Staates.<br><br>Oliver Vrankovic, Vorsitzender der DIG Region Stuttgart e.V. im Namen des Vorstands der DIG Region Stuttgart e.V.<\/p>\n\n\n\n<p>__<br><br><br>Im Zusammenhang mit unserem Leserbrief auch noch einmal der Hinweis auf die <a href=\"https:\/\/taz.de\/Antisemitismus-bei-documenta15\/!5846923\/\">Notwendigkeit der Differenzierung zwischen Rassismus und Antisemitismus, wie sie Stephan Grigat im Zusammenhang mit der documenta 15 in einem Artikel am 25.04. vorgenommen hat.<\/a><br><br><a href=\"https:\/\/www.rbb-online.de\/rbbkultur\/radio\/programm\/schema\/sendungen\/schalom\/archiv\/20220624_1550.html\">Am 25.06. erkl\u00e4rt Stephan Grigat beim RBB noch einmal den Unterschied zwischen Rassismus und Antisemitismus.<\/a><br><br>__<br><br><\/p>\n\n\n\n<p>Auswahl von Texten zur documenta15<strong><br><br><\/strong><a href=\"https:\/\/www.israelnetz.com\/kritik-an-documenta-wehrt-sich-gegen-antisemitismusvorwuerfe\/\">Marc Neugr\u00f6schl \u00fcber die Zusammenarbeit mit BDS-Unterst\u00fctzern (17.06.)<\/a><br><br><a href=\"https:\/\/www.zentralratderjuden.de\/aktuelle-meldung\/artikel\/news\/presseerklaerung-zu-antisemitismus-auf-der-documenta\/\">Presseerkl\u00e4rung des Zentralrats der Juden zu Antisemitismus auf der documenta (20.06)<\/a><br><a href=\"https:\/\/www.juedische-allgemeine.de\/kultur\/documenta-volker-beck-schaltet-staatsanwaltschaft-ein\/\"><br>\u201cdocumanta: Volker Beck schaltet Staatsanwaltschaft ein\u201d (20.06.)<\/a><br><br><a href=\"https:\/\/www.juedische-allgemeine.de\/politik\/documenta-der-schande\/\">&#8222;documanta der Schande\u201d (Phillipp Peyman Engel, 22.06.)<\/a><br><strong><br><\/strong><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/netzpolitik\/sascha-lobo-ueber-den-documenta-skandal-willkommen-bei-der-antisemita-a-424a0c6f-ec04-4158-92be-9ab8f03f17ad\">\u201cWillkommen auf der Antisemita 15\u201d (Sascha Lobo, 22.06.)<\/a><br><br><a href=\"https:\/\/sara-nussbaum-zentrum.de\/documenta-antisemitismus-statement-06-22\/\">statement des Sara Nussbaum Zentrums f\u00fcr j\u00fcdisches Leben in Kassel<br><\/a><br><a href=\"https:\/\/jungle.world\/artikel\/2022\/25\/das-bisschen-hitler\">\u201cDas bischen Hitler\u201d (Dierk Saathoff, 23.06.)<\/a><br><br><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/judenhass-bei-der-documenta-diese-kunst-toetet-kommentar-a-70d6b0eb-0d7c-4879-a0dd-950720b02686-amp?fbclid=IwAR1_lEdQFIyfUkFMjxmLpCtw_sI-CQPw8hS_4YltYEYr1UMcSYtTNn0CR-0\">\u201cDiese Kunst t\u00f6tet\u201c (Richard Schneider, 23.06.)<\/a><br><br>\u201c<a href=\"Kassel: Ehrung von Selbstmordattent\u00e4tern\u201c (Thomas von der Osten-Sacken, 24.06.)\">Kassel: Ehrung von Selbstmordattent\u00e4tern\u201c (Thomas von der Osten-Sacken, 24.06.)<\/a><a href=\"https:\/\/jungle.world\/blog\/von-tunis-nach-teheran\/2022\/06\/kassel-ehrung-von-selbstmordattentaetern\"><br><\/a><br><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Stuttgarter Zeitung erschien am 22.06. ein Leitartikel \u201eVon Zensur spricht Niemand\u201d von Adrienne Braun, den wir als DIG Stuttgart nicht unkommentiert lassen k\u00f6nnen, weshalb sich der Vorstand entschlossen hat, einen Leserbrief zu schreiben.__ Hinsichtlich der documenta15 begr\u00fc\u00dft die Deutsch-Israelische Gesellschaft Region Stuttgart die Entfernung eindeutig antisemitischer Bildsprache aus dem \u00f6ffentlichen Raum. 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